GIS-gestützte Analyse aus sozialökologischer Perspektive : Identifikation endogener Entwicklungspotentiale von Transformationsräumen am Beispiel des Ruhrgebiets (Deutschland) und Oberschlesiens (Polen)

  • GIS-based analysis from socio-ecological point of view : identification of endogenous development potentials in transition areas Ruhr Area (Germany) and Upper Silesia (Poland)

Garus, Cyryl; Gräf, Peter (Thesis advisor)

Aachen (2013, 2014)
Doktorarbeit

Zugl.: Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2013

Kurzfassung

Die Identifikation endogener Entwicklungspotentiale in Transformationsräumen, in Räumen die durch jahrzehntelange Dominanz der montanindustriellen Produktionsprozesse gezeichnet wurden, sollte mithilfe des Forschungsansatzes der Mixed-Methods-Strategy umgesetzt werden. Die Kombination verschiedener Methoden, einerseits die Verwendung der quantitativen, statistischen Daten und ihrer Auswertung und Integration in das Geographische Informationssystem erlaubten zunächst einen deskriptiven Einblick in die sozialökonomischen und ökologischen Entwicklungen der Untersuchungsräume. Ferne war durch diese Vorgehensweise möglich, vor allem intraregionale Disparitäten und Entwicklungstendenzen in beiden altindustriellen Agglomerationen aufzudecken. Hierbei konnte die Heterogenität der Entwicklungen innerhalb der beiden Untersuchungsräume festgestellt werden. Beide, immer noch für ihre nationalen Volkswirtschaften bedeutenden Ballungsgebiete, bestehen aus Chancen- und Risikoräumen. Während die Chancenräume in vielen Fällen zu Gewinnern der Strukturwandlungsprozesse gezählt werden können, kämpfen die Risikoräume gegen eine zirkuläre Abwertung ihrer ökonomischen, sozialen und ökologischen Basisstrukturen. Die einerseits positiven und andererseits negativen Trends sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Entwicklung wirken dabei in einem reziproken Geflecht aufeinander. Dabei kann es zu Verstärkungen eingeschlagener Trendentwicklungen kommen, sowohl in positiver, als auch negativer Form. Im Sinne des Mixed-Methods-Ansatzes wurden die basisstatischen, gis-gestützten Analysen um die Auswertung des qualitativ erhobenen Interviewmaterials sowie der quantitativen Umfrage ergänzt. Beide Datenbestände wurden mithilfe der multivariaten Korrespondenzanalyse ausgewertet. Beide Auswertungen konnten zur Identifikation endogener Entwicklungspotentiale in der GZM- und RVR-Agglomeration beitragen. Die Forschungsergebnisse wurden darüber hinaus durch die frequenzbasierte Inhaltsanalyse regionaler Zeitungsartikel flankiert. Hierbei wurden insgesamt 5000 Seiten mithilfe des Word Cloud Algorithmus ausgewertet. Dieser Analyseschritt half insbesondere die deutliche Diskrepanz der thematischen Schwerpunkte der Berichterstattung in beiden Regionen zu zeigen. Dabei konnten zum Teil deutliche Unterschiede festgestellt werden. Während der Fokus der Pressthemen hinsichtlich regionalökonomischer Entwicklung in der oberschlesischen Agglomeration vornehmlich auf den Bereichen wie Infrastrukturausbau und Infrastrukturmodernisierung lag, dominierten in der Berichtserstattung der RVR-Agglomeration Themen wie Kultur, Soziales und Arbeitsmarktentwicklung. In den Untersuchungsräumen weisen die Transformationsprozesse vor allem einen unterschiedlichen zeitlichen Horizont auf. Nicht nur der zeitliche Transformationsverlauf kann als divergierend bezeichnet werden, sondern auch die Ressourcenausstattung, institutionelle, administrative Strukturen sowie das Know-how der Gebiete zeichnen sich durch ein unterschiedliches Niveau aus. Hierbei können dem Gebiet der RVR-Agglomeration Vorteile gegenüber der GZM-Agglomeration zugesprochen werden. Auch wenn die Untersuchungsgebiete die obengenannten Unterschiede aufweisen, sehen sie sich mit ähnlich gelagerten Problemfelder sowie Entwicklungsmöglichkeiten konfrontiert. Es steht außer Frage, dass der Industrialisierungsprozess einen tiefen und dauerhaften Einschnitt in die Sozioökonomie und Ökologie für beide Regionen darstellte. Aus wirtschaftshistorischer Betrachtung war die Industrialisierung Segen und Flucht zugleich. Einerseits stießen die montanindustriellen Prozesse die sozioökonomischen Entwicklungen an, andererseits waren sie für eine hochgradig degenerative Umweltzerstörung verantwortlich. Die aufgebaute Monostruktur sowie die Monofunktionalität, zunächst Zeichen der montanindustriellen Effizienz und des wirtschaftlichen und technologischen Fortschrittes, brachten im Zuge des regressiven Niedergangs der Industrien kumulierte wirtschaftliche, soziale und ökologische Probleme mit sich. Diesen Prozess könnte man als eine negative Nachhaltigkeit bezeichnen, da die Transformation und Überwindung des Regresses einerseits eine enorme Ressourcenanstrengung erfordert, und andererseits ein bis jetzt unbegrenztes zeitliches Horizont aufweist. Summierend kann festgehalten werden, dass die Teilgebiete der Untersuchungsräume sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten entwickeln. Die sozialökonomischen und ökologischen Potentiale unterliegen pfadabhängigen Entwicklungsfaktoren, deren Aktivierung zumindest einen positiven wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Anstoßimpuls erfordert.

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