Energiekonsum und Umweltänderungen im ländlichen China : Fallbeispiele aus drei Landkreisen in Zentralchina (Pingyi), in der Inneren Mongolei (Zhenglanqi) und in Tibet (Taktse)

  • Energy consumption and environmental changes in rural China : case studies from three counties in Central China (Pingyi), in Inner Mongolia (Zhenglanqi) and in Tibet (Taktse)

Lucas, Mario Konstantin; Lehmkuhl, Frank (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2013)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2013

Kurzfassung

Die vorliegende Arbeit will den modelltheoretischen und empirischen Wissensstand um energiegeographische Entwicklungsprozesse erweitern. Dafür werden haushaltsbezogene Befragungen in drei ländlichen und benachteiligten Regionen Chinas durchgeführt. In den Blick genommen wird bei dieser Untersuchung vornehmlich das Energiestufenmodell, das bei steigenden Einkommen der Bevölkerung ein höheres Maß an energetischer Nachhaltigkeit postuliert. Die vorliegende Untersuchung versucht, das Modell zu verifizieren bzw. Faktoren aufzuzeigen, die eine regelhafte Abweichung vom Modell bewirken. Es soll nachgewiesen werden, dass das Modell auch regionale, kulturelle und politische Besonderheiten berücksichtigen muss.Eine Datenerhebung in 180 Haushalten bildet den Kern der Analyse. Sie liefert neben demographischen und betriebswirtschaftlichen Informationen insbesondere Daten zum Energiekonsum (Energie-Mix, Energie-Effizienz, Energie-Präferenz für die Zukunft etc.). Nicht zuletzt werden auch die Umweltauswirkungen der energetischen Nutzung durch die Einschätzung der betroffenen Haushaltsvorstände erfasst. Die deskriptive und korrelative Auswertung liefert für die vier untersuchten Sektoren (1) „Sozioökonomische Verhältnisse“, (2) „Energieverbrauch“, (3) „Umweltbewusstsein“ und (4) „Eingeforderte Unterstützung“ aufschlussreiche Daten.Die Auswertung gestattet Aussagen auf drei verschiedenen Ebenen: a) Es entsteht ein höchst differenziertes Bild der ausgewählten Regionen, das durch vielfachen Vergleich untereinander präzisiert wird b) Die Gesamtdaten ermöglichen einen Überblick über die Beziehungen zwischen zentralen Größen der Untersuchung: Diese sind Energieverbrauch, Energieeffizienz, Zugang zu Energie, Umweltverhalten, Gesundheit und Bildung c) Auf der Basis der beiden genannten Ebenen wird die Modifizierung des Modells entwickelt: Die periphere Lage, die kulturelle Situation und die staatliche (wie auch die zivilgesellschaftliche) Intervention sind Faktoren, die die Wahl der Energieträger auf dem Lande erheblich mitbestimmen. Die Auswertung der eingeforderten Unterstützung im Energiesektor sowie die Aussagen der Familien zur Umweltwahrnehmung bieten die Basis für eine Reihe von Empfehlungen des Verfassers. Sie sollen einen nachhaltigeren Energiekonsum in den Untersuchungsregionen ermöglichen. Mehr Partizipation, d. h. mehr Einbeziehung der ländlichen Bevölkerung in die Planung und Entwicklung von Energiesystemen, ist wichtiges Anliegen der Betroffenen. Als besonders nachhaltige Technologie wird die Produktion von Biogas innerhalb geschlossener Energie- und Nährstoffkreisläufe (Integration von Ställen, Toiletten, Gewächshäusern etc.) vorgeschlagen. Das kann nur bei entsprechend intensiver Begleitung funktionieren.

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