Wirtschaftsraumanalyse von altindustriellen Regionen unter Einsatz von geographischen Informationssystemen und komplexen, multivariaten Methoden : Oberschlesien, Ruhrgebiet und Pittsburgh im Vergleich

  • Economic analysis of old industrial regions with geographic information systems and multivariate methods of analysis : Upper Silesia, Ruhr and Pittsburgh

Pudlik, Martin; Gräf, Peter (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2011)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2011

Kurzfassung

Oberschlesien und das Ruhrgebiet bilden zwei bedeutende Agglomerationen in Europa. Beide Regionen sind für die jeweiligen Länder nicht nur wirtschaftlich von großer Bedeutung, sondern befinden sich auch in einer Phase des Strukturwandels. Während dieser jedoch im Ruhrgebiet bereits Ende der 1950er Jahre mit der Kohlenkrise begann, wurde er in Oberschlesien erst ab 1993 eingeleitet - nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Systems 1989 und der Auflösung des RGW 1991 - und konfrontierte die Staatsbetriebe mit der Marktwirtschaft und den damit verbundenen Herausforderungen. Das Ruhrgebiet hat also gegenüber Oberschlesien über 30 Jahre Vorsprung, auf den Strukturwandel zu reagieren. Die beiden Regionen eigenen sich daher sehr gut für einen Vergleich und die Verifizierung des zu entwickelnden Methodeninstrumentariums. Das Ziel der Arbeit ist daher nicht die Erstellung eines länderkundlichen Vergleiches, sondern vielmehr der Vergleich der beiden Untersuchungsräume Oberschlesien und Ruhrgebiet miteinander, nicht zuletzt um Kooperationspotenziale, insbesondere zwischen einzelnen Städten, zu identifizieren. Dabei wird auch die Region Pittsburgh in die Untersuchung eingeflochten, um transatlantische Erfahrungen mit dem Strukturwandel zu berücksichtigen. Wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist die Identifizierung von Städten gleicher Merkmalsausprägung, sowie die Aufdeckung von Themenverflechtungen in beiden Hauptuntersuchungsregionen. Der Raumvergleich stellt nicht nur inhaltlich, sondern vor allem methodisch eine Herausforderung dar. Daher liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Entwicklung eines skalierbaren Methodeninstrumentariums, welches den Vergleich komplexer Räume gewährleisten kann. Die verwendete Datenbasis besteht aus statistischen Daten, Interviews, einer Presseauswertung, Umfragen sowie zahlreichen Raumdaten. Das Datenmaterial wurde mittels Geographischer Informationssysteme und Methoden der komplexen multivariaten Statistik ausgewertet. Das Kernergebnis der Arbeit bildet die Anwendung komplexer Methoden und die Identifizierung der unterschiedlichen Schwerpunkte und Themenverflechtungen zwischen den Städteclustern. Es konnte gezeigt werden, dass die hierfür entwickelte Kombination der Methoden aus dem Bereich der komplexen multivariaten Statistik sowie der Geographischen Informationssysteme ein Werkzeug darstellt, das für Analysen multidimensionaler Zusammenhänge erfolgreich angewendet werden kann. Insbesondere die Anwendung der Korrespondenzanalyse erwies sich als effektiv bei der Interview- und Umfrageauswertung. Mit Ihrer Hilfe gelang es aus den Zeitungsarchiven, Interviewprotokollen und Umfragen Merkmalscluster zu identifizieren, die auf deutliche Unterschiede bezüglich der Verknüpfung von bestimmten Themengruppen in den Regionen hinweisen. Die Skalierbarkeit der Methodik ist dabei zu jeder Zeit möglich, so dass aufbauend auf den Ergebnissen der Arbeit, weitere Untersuchungen auf der Mikroebene möglich sind und durchgeführt werden. Die Auswertung der durchgeführten Analysen hat schließlich auch gezeigt, dass Oberschlesien - anders als das Ruhrgebiet - weniger vor ökonomischen als vielmehr vor sozialen Herausforderungen steht. Beim Ruhrgebiet konnte die häufig angebrachte wirtschaftliche Entkopplung nicht eindeutig verifiziert werden. Ferner wurde insbesondere für den oberschlesischen Raum das starke Misstrauen gegenüber zentralen Strukturen, wie einem Metropolverband, innerhalb der Regionen belegt. Als alternativen Ansatz der Kooperation wurde vor diesem Hintergrund die Kooperationsform der Joint Economic Districts vorgestellt, welche auf einem bedarfsorientiertem, bi-/multilateralem Modell basiert.

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